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Meldung vom 02. März 2010

Nestor der deutschen Sportmedizin: Professor Dr. Dr. Wildor Hollmann wurde 85 Jahre alt

 
Wer Professor Dr. Dr. h.c. Wildor Hollmann noch bei seinen Vorträgen hört und erlebt, wie er ohne Manuskript eine Stunde vorträgt, wundert sich ob dieses Geburtstages: Am Monatsende, am 30. Januar 2010, wurde der ehemalige Lehrstuhlinhaber für Sportmedizin und
Kardiologie an der Deutschen Sporthochschule Köln 85 Jahre alt. Das Deutsche Sport- und Olympiamuseum zeigt ihm zu Ehren eine Sonderausstellung vom 25. Januar - 28. März 2010.


Hollmann hat eine bewegte Karriere hinter sich und zeigt keine Anzeichen von Müdigkeit. Er gilt als Nestor der deutschen Sportmedizin und als Motor der internationalen Sportmedizin. Lange war er Rektor der Deutschen Sporthochschule, er war Präsident des Deutschen Sportärztebundes (Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention) und Präsident des Weltverbandes für Sportmedizin (FIMS). Im Laufe seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hat er über 800 Publikationen verfasst, darunter zahlreiche Monographien wie das Standardwerk der Sportmedizin mit dem Titel "Sportmedizin - Grundlagen für körperliche Aktivität, Training und Präventivmedizin". Viele seiner Mitarbeiter sind Lehrstuhlinhaber geworden, die Zahl der Diplomarbeiten und Promotionsarbeiten zählt über tausend.

Er hat zahlreiche Ehrungen national und international erhalten, zuletzt die Goldmedaille der Humboldt-Gesellschaft zu Berlin. Hollmann beriet die Bundesregierung, die Bundesärztekammer und die Bundeswehr, in zahlreichen weiteren Kommissionen war er tätig. Neben dem Bundesverdienstkreuz (Schulterband mit Stern) hat er die Ehrenbürgerschaften von Menden und Brüggen erhalten.

Das sind seine Verdienste: Hollmann hat die Sportmedizin in Deutschland nach dem Kriege mit aufgebaut, er hat grundlegende Untersuchungen zur Leistungsdiagnostik und zur Prävention durch körperliche Aktivität umgesetzt. Dies hat ihm international Anerkennung verschafft und seinen Weltruhm begründet.

Nach seiner Emeritierung 1990 ist er wei­terhin als Vortragender, Lehrer und auch Forscher tätig. Die aktuelle Forschung über Gehirn und Bewegung geht wesentlich auf seine Arbeiten und Initiativen zurück. Hier hat er wichtige Beiträge geliefert.

Hollmann ist aber nicht nur Lehrer, Forscher und Hochschulmanager gewesen, er hat sich dazu immer um den wissenschaftlichen Nachwuchs gekümmert und die Auswüchse neben Doping im Spitzensport immer wieder kritisch dargestellt. Viele sind dankbar, dass er neben dieser Karriere so manchem ein Freund und Begleiter mit ungewöhnlicher persönlicher Anteilnahme geworden und geblieben ist.

Das Jahr 2012, einhundert Jahre nach Gründung der deutschen Sportmedizin, wird ein weiterer Anlass sein, mit ihm in Dankbarkeit in Berlin zu feiern.
Unter vielem anderen begründeten diese Neuerungen und Entdeckungen den Ruf Hollmanns:
1954: Einführung des Fahrradergometers als klinisches Routine-Untersuchungsgerät in die Medizinische Universitätsklinik Köln; von dort weltweite Ausbreitung.
1958: Propagierung der Blutdruck-Eigenmessung durch den Patienten zwecks besserer Ermittlung und Behandlung einer Hypertonie.
1965: Erstvorstellung von Minimal-Trainingsprogrammen zur Prävention von Herz-Kreislaufkrankheiten.
1966: Bildung einer internationalen Kommission auf dem Weltkongress für Sportmedizin in Hannover mit Appellation an die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das international übliche Konzept der Herzinfarktbehandlung mit mehrwöchiger Bettruhe umzugestalten in Frühmobilisation, Bewegungstherapie und Rehabilitation. Offizielle WHO-Akzeptanz 1977.
1967: Entwicklung eines Hyperoxietrainings (Atmung von Sauerstoff).
1967: Erstmalige Erstellung einer Faustregel zur Optimierung von Ausdauertraining für gesundheit­liche Zwecke (180 minus Lebensalter in Jah­ren), mit Viktor Baum.
1973/74: Publikation von Trainingsergebnissen jahrzehntelang körperlich inaktiv gewesener älterer und alter Personen. Prägung des Satzes: "Durch ein geeignetes körperliches Training ge­lingt es, 20 Jahre lang 40 Jahre alt zu bleiben."
1976: Vorstellung einer 4-mmol/l-Laktatschwelle durch Alois Mader, Heinz Liesen, Hermann Heck, Helmut Philippi, Richard Rost, Peter Schürch, Hollmann.
1987: International erste Beschreibung der regionalen Gehirndurchblutung während Fahrradergometerarbeit (mit Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Köln).
1999: Beschreibung des Einflusses von körperlicher Aktivität auf Gehirnfunktionen beim alten Menschen (mit Forschungszentrum Jülich).
 
Professor Dr. med. Herbert Löllgen,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Sportmedizin und Prävention (DGSP)
 
   
 
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